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Gesetzliche Krankenversicherung für Studenten: Wichtige Änderungen im Studententarif ab 2020

Gesetzliche Krankenversicherung für Studenten: Wichtige Änderungen im Studententarif ab 2020

GKV Studenten Änderungen im Studententarif ab dem Jahr 2020
GKV Studenten Änderungen im Studententarif ab dem Jahr 2020

© Westend61 via Getty Images

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Veröffentlicht am: 19.02.2020 um 11:15 Uhr Von: Edin Topcagic
Kategorie: Private Krankenversicherung - Studenten

Spätestens ab dem 25. Geburtstag fallen Studenten aus der Familienversicherung der Krankenkasse ihrer Eltern. Dann zahlen sie eigene monatliche Beiträge an ihre Krankenversicherung. Da Studenten oft noch kein oder nur ein geringes Einkommen haben, werden sie zunächst in einem günstigeren Studententarif versichert. Doch die gesetzliche Krankenversicherung sieht Grenzen vor, ab denen Studenten keinen Anspruch mehr auf den günstigeren Studententarif haben. Diese ändern sich ab 2020.

 

Wichtiges kurz vorab

 

  1. Die Begrenzung auf das 14. Fachsemester im Studententarif entfällt, ebenso die Examensregelung.
  2. Die Neuregelung gilt ab dem 1. Januar 2020.
  3. Studenten, die ihr Studium vor dem 1. April 2020 beenden, sind nicht davon betroffen.
  4. Studenten, die im Sommersemester 30 Jahre alt werden, zahlen ab dem 1. Oktober die Beiträge der freiwilligen Mitgliedschaft; wer im Wintersemester 30 wird, wechselt ab 1. April des nächsten Jahres in die freiwillige Mitgliedschaft.
  5. Im Gegensatz zur früheren Regelung werden Studenten, die innerhalb des Semesters 30 Jahre alt geworden sind, nun erst zu Beginn des jeweiligen nächsten Semesters freiwillige Mitglieder in der GKV. Die Neuregelung stellt weder Anspruch auf noch Pflicht zu einer Rückkehr von der PKV in die GKV dar.
  6. Studenten haben weiterhin zu Beginn ihres Studiums, bei Wegfall der Familienversicherung und an ihrem 30. Geburtstag die Möglichkeit, in die PKV zu wechseln.
  7. Nur in Ausnahmefällen und nach Einzelfallprüfung ist eine Verlängerung des Studententarifs in der GKV über den 30. Geburtstag hinaus möglich.

 

Bisher galt der Studententarif der GKV nur bis zum 14. Fachsemester oder 30. Geburtstag

 

Bisher durften Studenten nur zu Studentenkonditionen in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, wenn sie weniger als 14 Fachsemester absolviert hatten oder unter 30 Jahre alt waren. Andernfalls wurden sie automatisch zu freiwilligen Mitgliedernin der gesetzlichen Krankenversicherung. Damit zahlten sie deutlich höhere Krankenversicherungsbeiträge als im günstigeren Studententarif. Durchschnittlich zahlen Studenten dann statt den etwa 90 € monatlich im Studententarif nun etwa 180 € als freiwilliges Mitglied.

 

Einen Ausweg stellte dafür bisher die private Krankenversicherung dar. Mit Ankündigung des Wechsels in die freiwillige Mitgliedschaft konnten Studenten innerhalb von drei Monaten ihrer Krankenkasse kündigen. Damit war der Wechsel in einen Studententarif der privaten Krankenversicherung möglich. Hier bleiben Studenten mitunter bis zum 39. Geburtstag im günstigen Studententarif versichert, unabhängig von der Zahl der absolvierten Fachsemester.

 

 

Jetzt gilt nur noch die Begrenzung auf den 30. Geburtstag

 

2020 entfällt die Begrenzung auf das 14. Fachsemester. Für Studenten in der gesetzlichen Krankenversicherung gilt nun lediglich noch die Begrenzung auf den 30. Geburtstag: Mit diesem fallen sie aus dem Studententarif und werden freiwilliges Mitglied. Die Zahl der absolvierten Semester ist hingegen nicht mehr ausschlaggebend.

 

Zudem wird zeitgleich auch auf die Examensregelung verzichtet. Mit ihr hatten Studenten die Möglichkeit, im Übergang von studentischer und freiwilliger Versicherung einen Mittelwert zwischen den beiden Beiträgen zu zahlen. Maximal sechs Monate lang zahlten sie dann erst 140 € im Examenstarif, bevor sie den vollen Beitrag als freiwilliges Mitglied zahlen mussten.

 

Auch für Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums gilt nun der 30. Geburtstag als Altersgrenze für die Versicherungspflicht. Hierbei sind lediglich die unbezahlten Pflichtpraktika gemeint. Wirksam ist die Grenze bei allen Pflichtpraktika, also auch bei Vor- und Nachpraktika.

 

 

Die neue Regelung ist ab 1. Januar 2020 wirksam

 

Grundlage der Änderung ist ein Entwurf vom 7. November 2019 in Bezug auf den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), der auch Auswirkungen auf gesetzlich krankenversicherte Studenten hat. Unter anderem der hohe Aufwand und Unklarheiten bei der Zählung der Semesterzahl von Studenten hat dazu beigetragen, dass Semestergrenze und Examensregelung nun abgeschafft wurden.

 

Nach allgemeingültiger Semestereinteilungläuft das Sommersemester vom 1. April bis 30. September, das Wintersemester vom 1. Oktober bis 31. März des nächsten Jahres. Studenten, die 2020 das 30. Lebensjahr erreichen, wechseln zum 1. April oder 1. Oktoberautomatisch in den die freiwillige Mitgliedschaft ihrer Krankenkasse. Auf den günstigeren Studententarif haben sie dann keinen Anspruch mehr. 

 

 

Wer von der neuen Regelung besonders profitiert

 

Viele Langzeitstudierende atmen mit dieser neuen Regelung auf. Sie dürfen über das 14. Fachsemester hinaus studieren und bleiben gleichzeitig im günstigen Studententarif ihrer Krankenkasse. Da die meisten Studenten im 14. Fachsemester noch einige Jahre von ihrem 30. Geburtstag entfernt sind, verschafft ihnen die neue Regelung noch einige weitere günstige Studienjahre.

 

Aber auch in Hinblick auf den Verwaltungsaufwand profitieren Studenten und Krankenkassen gleichermaßen. Mit dem Wechsel des Studienfachs zum Beispiel waren die Krankenkassen oft uneinig darüber, ab wann nun die Fachsemester gezählt werden sollen. Individuelle Regelungen an den Hochschulen bezüglich der Definition eines Studienfachwechsels kamen erschwerend hinzu. Auch für betroffene Studenten kam es dadurch zu Unsicherheiten. 

Durch den Wegfall der Begrenzung auf das 14. Fachsemester entfällt auch die Unsicherheit bezüglich der Semesterzählung. Während Studenten damit nunmehr Übersicht in der Planung ihres Studiums bekommen, entfällt für die Krankenkassen der bürokratische Aufwand.

 

Kein Vorteil mehr durch Examensregelung

 

Zuletzt konnten Studenten, die den 30. Geburtstag erreichten, oder bei Exmatrikulation vor der Abschlussprüfung ihren Studententarif verlängern. Die Verlängerung war für sechs Monate möglich. Dieser Übergangstarif (auch Examensregelung genannt) kostete Studenten nur etwa 140 € anstelle des vollen Beitrags für freiwillige Mitglieder.

 

Damit sorgte die Examensregelung bisher für eine pauschale Verlängerungsmöglichkeit des Studententarifs. Unabhängig davon, ob wirklich eine Prüfung anstand. Da die Exmatrikulation, also das Ende des Studiums, gewöhnlich ohnehin erst nach erfolgreicher Abschlussprüfung eintritt, hat sich diese Regelung aber als nicht zweckmäßig erwiesen.

 

Für Studenten, die im laufenden Semester den 30. Geburtstag erreichten, würde sie weiterhin eine Aufweichung der Altersgrenze darstellen. Um dies zu verhindern und eine Vereinheitlichung der Altersgrenze für alle Studenten zu schaffen, wurde die Examensregelung nun gänzlich abgeschafft.

 

Der Wechsel von privater in die gesetzliche Krankenversicherung

 

Erst mit der Beendigung des Studiums und/oder der Aufnahme eines Arbeitnehmerverhältnisses tritt wieder Versicherungspflicht ein. Dann ist der Austritt aus der privaten und der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung möglich.

 

Wer nach dem Studium direkt in die Selbstständigkeit oder eine freiberufliche Tätigkeit übergeht, kann sich weiterhin privat krankenversichern. Auch in einem Arbeitnehmerverhältnis mit einem Jahresbrutto über der aktuellen Jahresarbeitsentgeltgrenze (2020: 62.550 € brutto) ist der Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

 

Wann Studenten noch in die private Krankenversicherung wechseln dürfen

 

Mit dem Wegfall der Fachsemestergrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung entfällt auch eine Möglichkeit zum Wechsel in die private Krankenversicherung. Dennoch bleiben Studenten noch mehrere Möglichkeiten vor und während des Studiums, um sich privat zu versichern. 

 

Dabei ist die Entscheidung des Wechsels dauerhaft. Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung kommen Studenten erst bei Aufnahme eines versicherungspflichtigen Arbeitnehmerverhältnisses nach dem Studium. Auch bei Aufnahme von nicht vorgeschriebenen Praktika während des Studiums, die über Minijobbasis vergütet werden, tritt Versicherungspflicht ein, was einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung erfordert.

 

Mit Beginn ihres Studiums können Studenten sich von ihrer Versicherungspflicht befreien lassen. Eine entsprechende Bescheinigung bekommen sie von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung. Dafür haben sie ab dem Zeitpunkt der Immatrikulation drei Monate Zeit. Sowohl gesetzlich als auch bisher privat versicherte Studenten müssen sich diese Bescheinigung von einer gesetzlichen Krankenversicherung holen. Vor allem Beihilfeberechtigte machen Gebrauch von dieser Möglichkeit, um sich weiterhin privat zu versichern. Mit der Befreiung von der Versicherungspflicht ist dann der Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

 

Die nächstmögliche Gelegenheit zum Wechsel in die private Krankenversicherung ist dann der Wegfall der Familienversicherung. Diese entfällt spätestens mit dem 25. Geburtstag oder bei einem Einkommen, das 455 € brutto monatlich (Stand: 2020) übersteigt. Hier haben Studenten zwei Wochen Zeit, um bei ihrer gesetzlichen Krankenversicherung einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht zu stellen. Mit dieser Bescheinigung ist der Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

 

Die Besonderheit des Wechsels in die private Krankenversicherung zum 30. Geburtstag

 

Zuletzt bleibt die Option auf den Wechsel in die private Krankenversicherung mit dem 30. Geburtstag. Damit lassen sich deutlich höhere Krankenversicherungsbeiträge vermeiden, denn in der gesetzlichen Krankenversicherung fällt nun der Studententarif weg. In der privaten Krankenversicherung besteht der günstige Studententarif je nach Anbieter hingegen bis zum 39. Geburtstag

 

Bisher wechselten Studenten, die innerhalb eines Semesters 30 Jahre alt wurden, zum nächsten Monat automatisch in die freiwillige Mitgliedschaft. Damit hatten sie ein Sonderkündigungsrecht: Wer zum Beispiel am 18.02. 30 Jahre alt wurde, konnte zum 01.03. seine gesetzliche Krankenversicherung kündigenund sich privat versichern. 

 

Mit der neuen Regelung bleiben Studenten, die im laufenden Semester 30 Jahre alt werden, bis zum Ende des entsprechenden Semesters weiterhin im Studententarif versichert. Erst mit dem ersten Tag des neuen Semesters werden sie zum freiwilligen Mitgliedin ihrer Krankenkasse. Wird ein Student zum Beispiel am 14. Juni 30 Jahre alt, wechselt er demnach nun erst zum 01. Oktober in die freiwillige Mitgliedschaft.

 

Um den 30. Geburtstag herum erhalten betroffene Studenten ein Schreiben von ihrer Krankenkasse, in dem auch Informationen zum Austritt enthalten sind. Ab ihrem 30. Geburtstag haben Studenten zwei Wochen Zeit, ihrer Krankenkasse zu kündigen. Diese Kündigung ist frühestens zum nächsten Semester möglich. Studenten müssen zudem nachweisen, dass sie zukünftig anderweitig, also in diesem Fall privat versichert sind. 

Wer den Zeitpunkt zur Kündigung in den ersten zwei Wochen nach dem 30. Geburtstag verpasst, kann jedoch weiterhin immer zum Ende des übernächsten Monats seiner Krankenkasse kündigen.

 

Eine Verlängerung der Studentenkonditionen ist nur in Ausnahmefällen möglich

 

Die gesetzlichen Krankenversicherungen können anbieten, Studenten über den 30. Geburtstag hinaus im Studententarif zu belassen. Hierbei ist nicht die Examensregelung gemeint, die mit der neuen Regelung wegfällt. Unabhängig von dieser besteht bisher weiterhin die Möglichkeit, den Studententarif im Einzelfall darüber hinaus zu verlängern.

 

Gründe für eine Verlängerung sind beispielsweise Erkrankung, Geburt, zweiter Bildungsweg sowie auch Betreuung von Angehörigen oder der Bundesfreiwilligendienst (BFD). Nach Einzelprüfung durch die jeweilige Krankenkasse ist es in solchen Fällen möglich, für weitere maximal sechs Monate im Studententarif zu bleiben.

 

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